„Alles muss immer wieder auf den Prüfstand“

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„Alles muss immer wieder auf den Prüfstand“

„Alles muss immer wieder auf den Prüfstand“

Die Volkstimme veröffentlichte in ihrer Ausgabe vom 27. September 2018 ein Interview mit Allee-Center-Managerin Margaret Stange-Gläsener. Wir veröffentlichen das Interview nachfolgend im Wortlaut.

Das Allee-Center ist Sachsen-Anhalts größtes innerstädtisches Einkaufszentrum. Seit 20 Jahren zieht es Tausende Käufer an. Ebenso lange sieht es sich aber auch der Kritik ausgesetzt, dass es durch seine Größe eine lebendigere Innenstadt unter freiem Himmel verhindere.

Volksstimme: 20 Jahre Allee-Center – was ist Ihre Bilanz?

Margaret Stange-Gläsener: Das Center ist und bleibt eine Erfolgsgeschichte! Die Weiterentwicklung des Centers ist beständig und behutsam vorangegangen und so ist es zum Markenkern der Handelslandschaft der Innenstadt geworden. Mit den Investitionen, die dieses Jahr umgesetzt wurden, bietet sich unseren Besuchern eine frische Optik, neue Shops, Shops, die sich völlig neu gestaltet haben und mehr und bessere Sitzgelegenheiten. So sind jetzt in der Ladenstraße schicke Lounges und im Gastronomiebereich 30 zusätzliche Sitzmöglichkeiten. Auch der vielgeäußerte Wunsch „etwas für die Kleinen“ wurde aufgenommen und ein Spielplatz für Kinder geschaffen. Die ersten Reaktionen der Kunden sind sehr positiv, man kann sogar sagen – begeistert. Obendrauf gibt es zukünftig ein Speiselokal, in dem die ganze Familie gemütlich am Tisch Platz nehmen und sich bedienen lassen kann. Ich bleibe dabei – eine Erfolgsgeschichte.

Vor 20 Jahren gab es keinen Internethandel, heute wird er immer stärker. Was ist Ihre Antwort als stationäres Einkaufscenter?

Die Herausforderung nehmen wir an. Schon immer beschäftigen wir uns mit der Frage, was ist Käufern wichtig, und fragen regelmäßig genau das in repräsentativen Umfragen. Aus den Ergebnissen entstehen dann die Konzepte für Investitionen wie zum Beispiel in Verweil- und Aufenthaltsqualität, wie ich sie bereits beschrieben habe, aber auch für Online-Angebote und Social Media. Wir als Center stehen für unsere Kunden bereit, um den Aufenthalt und den Kauf so angenehm und einfach wie möglich zu machen, und so heißt diese Offensive auch „At your Service“. Bereits zu Hause und online geben wir dem Besucher Tipps und begleiten ihn im Center und auf dem Weg zurück nach Hause. Die Vernetzung der Vertriebsformen „stationär/online“ ist sowohl für das Center als auch für unsere Shops die Herausforderung. Erfreulicherweise sehen wir bereits die ersten Online-Händler Shops im stationären Handel eröffnen. Die Entwicklung ist noch lange nicht abgeschlossen-

Vor 20 Jahren gab es Lob und Kritik für das Center. Lob, weil ein Einkaufstempel mit Ausstrahlung ins Umland entstand. Kritik, weil Bummelmeilen untertage verlegt wurden. Lob und Kritik sind bis heute nicht verstummt. Was sagen Sie?

Selbstverständlich kenne ich die Diskussion und ich finde es richtig, dass diese geführt wird, denn unsere Gesellschaft lebt von diesen unterschiedlichen Positionen, sonst würden wir uns ja nicht weiterentwickeln. Genau darum geht es doch, wie wollen wir uns entwickeln? In den 1990er Jahren konnte die Entscheidung nur lauten, wir machen einen großen Wurf, denn bevor die komplizierten Eigentumsverhältnisse geordnet gewesen wären, wäre die Chance, Magdeburg zur Einkaufsmetropole Sachsen-Anhalts zu entwickeln, vertan gewesen. Jetzt ist Magdeburg die Einkaufsmetropole und es geht darum, diese Position unter den Gesichtspunkten Internet-Handel, Demografie, veränderte Kauf- und Lebensbedürfnisse erfolgreich zu behaupten. Hier arbeiten wir eng und gut mit den anderen Akteuren in der Innenstadt, aber auch in den Stadtteilzentren zusammen. Da ich unser Center kenne, schmerzt mich der Begriff „untertage“. Gerade das Basement bietet mit seinem vielfältigen Markenangebot im Bereich Junger Mode ein Top-Niveau, das keinen Vergleich mit anderen Großstädten scheuen muss. Im Übrigen haben wir 1998 mit einem Erdgeschoss und der Galerie eröffnet. Das Basement kam erst 2006 hinzu.

Viele wünschen sich eine lebendigere Innenstadt. Das Allee-Center könnte dazu beitragen, indem es seine Geschäfte auch nach außen öffnet und Flanieren unter freiem Himmel möglich macht. Warum tut sich das Center so schwer damit und bietet nach wie vor mehrheitlich beklebte Schaufensterscheiben an?

Das Allee-Center Magdeburg ist mit dem vielfältigen Marken- und Sortimentsangebot Garant für die lebendige Innenstadt. Und mit der Ansiedlung der L’Osteria, unserem neuen italienischen Speiselokal, entsprechen wir dem Wunsch, das Center nach außen zu öffnen. L’Osteria wird auch eine Außengastronomie betreiben, die diese Seite der Ernst-Reuter-Allee deutlich beleben wird. Ziel ist es, hier weitere Impulse setzen zu können. Dazu brauchen wir Partner, die sich das zutrauen, denn unterm Strich betreiben selbstbestimmte Unternehmer die Shops und tragen das unternehmerische Risiko.

Magdeburg hat sich toll entwickelt. Das Center hat auch einen Anteil daran. Trotzdem fehlt der City noch mehr Belebung. Wenn Sie es richten könnten, was wäre Ihre Maßnahme für die Innenstadt?

Ja, Magdeburg hat sich sehr dynamisch entwickelt und ich bin ein großer Fan dieser Stadt. Es ist toll, dass Verwaltung und Politik der Stadt das Potenzial der Innenstadt für die Stadtentwicklung mit mehreren Maßnahmen in ihren Fokus genommen haben. Wir als Center begleiten und unterstützen diese Aktivitäten, denn eine attraktive Stadt zahlt sich selbstverständlich auch für das Center aus.

Fehlt der City tatsächlich Belebung? Oder müssen wir nicht einfach unsere Anstrengungen, die wirklich vielfältigen Angebote der Stadt, bündeln und nach vorne treiben. Dabei wäre es sehr hilfreich, wenn es mehr Kooperation branchen-, aber auch gremienübergreifend bei der Ideenfindung und Umsetzung gäbe.

Es gibt nicht die eine Maßnahme und dann ist alles gut, es ist ein ständiger Prozess der Veränderung, der immer wieder auf den Prüfstand muss. So machen wir es in unserem Center ja auch.

Welche Wünsche haben Sie als Centermanagerin an die Stadtpolitik?

Eine bessere Koordination und Kommunikation der Baustellen und noch dieses Jahr die Möglichkeit für den Nahverkehr, von Stadtfeld in die Innenstadt auf der Ernst-Reuter-Allee zu fahren.

Tunnel dicht, Baustellen überall, Sommerhitze – wie lief eigentlich das Jubiläumsjahr 2018 bisher?

2018 wird ein Jahr, an das wir uns erinnern werden. Selbstverständlich zahlen alle von Ihnen aufgezählten Faktoren auf den Geschäftsverlauf ein. Es liegt allerdings nicht in der Mentalität des Handels, den Kopf in den Sand zu stecken, obwohl es gerne mal heißt, der Handel klage immer.

Jetzt packen wir das letzte Quartal mit positiver Energie an und am Ende des Jahres werden wir ein Fazit ziehen können.

Gewerkschaften kritisieren viele zusätzliche Öffnungszeiten, klagen gelegentlich auch dagegen. Jetzt kommt bald das Weihnachtsgeschäft. Wie würden Sie eine Verkäuferin überzeugen, sonntags zusätzlich zu arbeiten?

Ihre Frage beinhaltet viele Aspekte. Die Innenstadt hat lediglich vier Sonntage im Jahr geöffnet, auch schöpfen die meisten Händler den werktäglichen Öffnungsrahmen bis 24 Uhr nicht aus.

Der verkaufsoffene Sonntag ist, salopp gesagt, die Kirsche auf der Torte. Insbesondere für die Kunden. In einer Studie 2014 hat sich eine überwältigende Mehrheit für mehr Sonntagsshopping ausgesprochen. Dieser Wunsch verhallt u. a. bei der Politik ungehört. Für den Innenstadthandel, der sich dem Wettbewerb mit dem Online-Handel stellen muss, ist der verkaufsoffene Sonntag eine willkommene Gelegenheit, zumindest an 4 von 52 Sonntagen seine Leistungsbereitschaft überhaupt zeigen zu können. Insbesondere auch zur Weihnachtszeit, wenn ein erheblicher Anteil des Jahresumsatzes gemacht wird. Nach meinen Informationen gibt es bei den Mitarbeitern im Handel kein Motivationsproblem, auch Überzeugungsarbeit muss nicht geleistet werden.

Die Sonntagsstunden werden bei tarifgebundenen Unternehmen mit Zuschlägen und Freizeit vergütet, so dass im Regelfall nicht so viele Mitarbeiter eingesetzt werden können, wie sich freiwillig melden.

Außerdem ist auch den Mitarbeitern im Handel bewusst, dass der Sonntag eine gute Gelegenheit ist, den Kunden zu überzeugen, nicht im Internet einzukaufen.

Wie sieht Ihr Einkaufscenter in 20 Jahren aus?

Diese Frage ist bei der dynamischen Entwicklung von Digitalisierung, Robotik, Demografie und auch der gesellschaftlichen Entwicklung nicht mit einem zu detailgetreuen Bild zu beantworten. Ich bin mir aber sicher, dass das Allee-Center Magdeburg immer noch der Ort sein wird, an den die Menschen in Magdeburg gehen werden, um Freunde und Bekannte zu treffen und etwas zu erleben.