Colani und seine „geliebte Stadt“

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Colani und seine „geliebte Stadt“

Colani und seine „geliebte Stadt“

Ich sehe ihn noch vor mir: Ganz in weiß, mit wehendem Haar, ausschreitendem Schritt und lauter, kräftiger Stimme Stimme. Colani, der ein Vielredner. Wer fragt führt. An Colani beißt man sich die Zähne aus. „Er redet einen in Dusel“, würde der Magdeburger sagen. Und kann man dann doch mal eine Frage setzen, setzt er zum Monolog an. In den zwei Talkrunden, die es am 8. und 9. Mai 2013 im Allee-Center gibt, hält er sich komischerweise zurück. Stattdessen übergießt er die Magdeburger kübelweise mit Komplimenten. „Ich bin begeistert von der Liebenswürdigkeit und Aufgeschlossenheit der Magdeburger. Noch nie hat es mir soviel Spaß gemacht, so wissbegierigen und klugen Menschen wie hier meine Erfindungen zu erklären. Ich bin einfach sprachlos.“

Das passt nicht zu Colani,

der sich seiner Zeit meilenweit voraus sieht. In Magdeburg, 2013 im Allee-Center, ist er ununterbrochen von einer Menschentraube umringt. Er ist der Star, er ist der Meister der Rundungen, ein Guru der „Schönmacher“: „Das hier, dieses Magdeburg, das ist der helle Wahnsinn.“

Magdeburgs damals noch dienstfrischer Oberbürgermeister Lutz Trümper gibt dem Star der Rundungen natürlich auch die Ehre. Und er hört höflich zu, als Colani der Elbestadt seinen größten Traum anheim trägt: „Ein Futurama, das weltweit einzige Colani-Museum in der Hyparschale, oder in einer der vielen leerstehenden hallen vopn SKET, MAW, SKL.“

Höflicher Gastgeber

Trümper gibt sich als höflicher Gastgeber, verweist auf die Baufälligkeit der Hyparschale, auf leere Stadtkassen und das Land. Colani, damals schon 75, lässt sich nicht abschütteln. Er kommt zwei Wochen nach der wohl spektakulärsten Ausstellung in der Geschichte des Allee-Centers („Luigi Colani – Formen und Visionen 3000“, 8. bis 17. Mai 2013) noch einmal zurück; „Ich habe mich entschlossen, vom 15. bis 17. Mai wieder hier zu sein. Bei dieser Gelegenheit kann ich ja meineVerhandlungen mit der Stadt fortsetzen, ob mein Lebenswerk einen Platz in dieser wunderschönen Stadt finden könnte.“

Gigantische Touristenströme

Colani hofft auf die Landesregierung: „Wenn Sachsen-Anhalt mein Futurama haben möchte, dann führt das garantiert zu einem gigantischen Touristenstrom und lastet alle Hotels aus. Die Landesregierung sollte ruhig mal aufwachen und ein bisschen Dampf machen.“

Das ist typisch Colani. Wegen seiner hochfahrenden und überheblichen Art schlägt ihm zeitlebens oft Ablehnung entgegen. Sein Futurama wird nie gebaut, obwohl er es vielen Städten wie Warmbier anbietet. Es kränkt ihn, dass es keiner will: „Das Scheitern liegt auf der anderen Seite", sagt er. Colani fühlt sich oft verkannt. Mit deftigen Worten zieht er häufig über die „ewiggestrige Designzunft“ her, beschimpft die Industrie als ultrakonservativ, verlässt sogar Deutschland empört in Richtung China. Nun ist er im Alter von 91 Jahren gestorben.

Es scheint, er war erst gestern hier

Was bleibt ist die Erinnerung an einen zwar schrulligen, aber visionären Menschen. Und seine Werke, die allesamt eine unverwechselbare Formensprache atmen. Vom roten Traumferrari bis zum futuristischen Containerschiffmodell, vom fließenden Körperform-Kunststoff-Stuhl bis zur ergonomisch umkleideten Kamera – alles nach dem Motto „Ich benutze niemals ein Lineal.“

In Sachsen-Anhalt wird er unvergessen bleiben wegen seines für RFT entwickelten Fernsehers, und wegen des Colani-Trucks des Mineralwasserherstellers Gaensefurter sowie wegen des Flaschendesigns, das noch heute gilt.