Der „Flegel“ aus dem Center ist heute ein Youtube-Star

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Der „Flegel“ aus dem Center ist heute Youtube-Star

Es war ein unverhofftes Wiedersehen nach neun Jahren. Dieser Tage auf Youtube. Ich klick mich so durch die Filmchen und entdecke den Youtube-Kanal eines gewissen „Mr. Pianoman“. Mehr als 170.000 Abonnenten hat der inzwischen. Für einen Pianisten, von denen es tausende gibt, ist das sehr beachtlich. Doch dann sehe ich das Bild und lese Berlin als Heimatstadt. Da fällt es mir wie Schuppen aus den Augen: Ja, das ist, das wird doch wohl nicht..., ja, das kann ja nicht ... Doch, doch es ist wahr: „Mr. Pianoman“, der gerade im Netz steil geht, ist Tatsache Thomas Krüger aus dem Allee-Center. Dieser seltsame junge, extrem selbstbewusste Bursche, der sich 2011 bei einem Besuch in Magdeburg als Flegel an den Flügel gestellt hatte, der von einer Veranstaltung am Vortag in der Ladenstraße auf den Abtransport wartete. Der Auftritt ist im Magdeburger Allee-Center inzwischen legendär. Sozusagen ein Flashmop in Zeiten, wo den Begriff noch niemans kannte.

1.500 Klicks in Tagen, heute sind es 170.000

Denn keine10 Sekunden an den Tasten hatte der damals 17Jährige schon die Aufmerksamkeit der Eiscafé-Gäste auf sich gezogen, nach einigen Minuten wurde der Sicherheitsdienst informiert... 

Wenn er in die Tasten haut, bleibt kein Fuß still. Ray Charles und ABBA, dazwischen Mozart, Beethoven und Offenbach. Ein fulminanter Mix aus Stilen und Epochen, vier Minuten Piano-Power - am Ende applaudieren das Publikum, das gebannt gelauscht hat. Immer, naja fast immer. Doch hätte Thomas seinen Auftritt nicht filmen lassen und ins Internet gestellt, wäre er sicher bald in Vergessenheit geraten. Das Video wurde Ende 2011 binnen weniger Tage 1500mal geklickt, was zu den damaligen Zeiten schon ziemlich beachtlich war. Heute hat es mehr als 170.000 Klicks (https://www.youtube.com/watch?v=Fp-83BU5pXU

Center-Managerin macht „Störenfried“ ausfindig

Das machte die damalige Allee-Center-Managerin Sandra Oertel extrem neugierig. Jemand, der so virtuos spielen und die Menschen mit seiner Kunst so begeistern konnte, der musste hier ganz offiziell auftreten. Unbedingt! Sie machte den Pianisten ausfindig und lud ihn nach Magdeburg zu einem VIP-Shopping-Termin ein. Da gab es die zweite Überraschung, denn Thomas Krüger und Sandra Oertel hatten sich schon einmal gesehen – wenn auch flüchtig. Denn Krüger hatte bei ihr vorgesprochen und gefragt, ob er im Center auftreten dürfe. „Kein Bedarf“, hieß es da. Nunja, und als kleine „Rache“ hatte sich der junge Virtuose einfach (verbotener Weise) ans Klavier in der Ladenstraße gesetzt...

41 Millionen Klicks für Pariser Flashmob

Heute ist Thomas Krüger so etwas wie ein Youtube-Star. Auf dem Flughafen Paris-Orley hat er 2016 die Nummer aus dem Allee-Center noch einmal gemacht, Auch da stand ein Piano herrenlos in der Ecke. Er legte los und ließ sich filmen. Der Clip hat heute über 41 Millionen Klicks (https://www.youtube.com/watch?v=GBTEjwXB0GY)

Es war die Geburtsstunde von „Mr. Pianoman“, wie sich der 28-Jährige heute nennt. Thomas Krüger kommt aus Marzahn-Hellersdorf, wuchs in Mahlsdorf auf, ist quasi schon seit ganzes Leben im Bezirk verwurzelt und wohnt heute in einer Plattenbauwohnung an der Allee der Kosmonauten. Seine Mutter stammt aus Russland, schon als 5-Jähriger klimpert er auf Keyboards herum. Schnell wird daraus eine Passion. Sein erstes Stück spielt er mit sechs. Es heißt „Hänsel und Gretel“. Seit der 4. Klasse sitzt er am Klavier. 

Guido Maria Kretschmer bleibt die Spucke weg

Er spielt nicht nur exzellent, er ist auch ein Meister der Selbstvermarktung. Das muss man wohl auch in Zeiten 2009, in denen man digital erfolgreich sein muss. Sein erster großer Auftritt begeistert 5000 Zuhörer beim Classic Open Air in Hellersdorf. Vier Jahre später bleibt Modedesigner Guido Maria Kretschmer die Spucke weg, als er Thomas im RTL-„Das Supertalent“ hört. Er wird sofort ins Halbfinale durchgereicht.

Bald eigene Stücke

Und dann Paris, am Flughafen. Seine Mutter hat das Video mit dem Handy aufgezeichnet. Neben dem Pariser „Flashmob-Medley“ sind drei weitere Videos mittlerweile Millionäre. Heute lässt er sich von einer Berliner Agentur bei neuen Videos und Konzertterminen unterstützen. Schon bald will der „Pianoman“ seine ersten eigenen Stücke veröffentlichen. 

Jens-Uwe Jahns