Ein Gebirge, in dem es knattert

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Ein Gebirge, in dem es knattert

Ein Gebirge, in dem es knattert

Eng, laut, voller Menschen – so lässt sich Magdeburgs sagenumwobenes „Knattergebirge“ am ehesten beschreiben. Vor der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg war das eng bebaute Wohngebiet zwischen Johanniskirche und heutiger Walther-Rathenau-Straße eines der am dichtbesiedelsten Stadtviertel in ganz Europa. Überlieferungen zufolge sollen hier mehr als 80 000 Menschen in den 1920er Jahren auf engstem Raum gelebt haben.

Offiziell nannte man das Viertel zwar Fischeruferviertel, doch im Volksmund setzte sich der Begriff „Knattergebirge“ durch. Der Legende nach, weil die halbe Nachbarschaft selbst das leistete „Pupsen“ nebenan als ohrenbetäubendes „Knattern“ mithören musste. Grund dafür waren die hohe Bebauung und die engen Höfe und Gassen, die selbst das kleinste Geräusch zu einem gigantischen Echo machten. Anderen Überlieferungen zufolge stand das „Knatter“ für den etwas anderen Lärm, nämlich für den, den die Fuhrwerke und Lastkraftwagen verursachten, wenn sie über das holprige Pflaster der Straßen rollten.

Theater machte das Knattergebirge gesellschaftsfähig

„Der erste schriftliche Nachweis zum Knattergebirge als stadtbekannten Siedlungsnamen fand sich auf einem Programmzettel zu einem Stück, das der Theaterdirektor Gustav Kluck in seinem Walhalla-Theater in der Apfelstraße nach dem Ersten Weltkrieg zur Aufführung gebracht hat“, weiß die Magdeburger Altstadt-Expertin Nadja Gröschner.

Einen Eindruck davon, wie es damals dort ausgesehen hat, erhalten Interessierte derzeit im Allee-Center. Auf Initiative der AG Gemeinwesenarbeit (GWA) Altstadt ist die Ausstellung zum „Knattergebirge“ bis zum 9. Februar zu sehen.

Versteigerung historischer Fotos

Anhand alter Fotos sollen die Besucher „die Atmosphäre der Enge und des Lärms ohne Frischluft und Sonnenlicht nachempfinden“ können, wie GWA-Sprecherin Dagmar Jürgens erklärt. „Wir würden uns sehr über viele Gäste freuen, besonders über Zeitzeugen, die etwas zum Thema beisteuern könnten“, sagt sie. Die Bilder können nach Ausstellungsende durch Spende erworben werden. Mit den Einnahmen soll ein neuer Baum in der Altstadt gepflanzt werden.