Top Secret: Wohnzimmerkonzert auf dem Dach

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Top Secret: Wohnzimmerkonzert auf dem Dach

Top Secret: Wohnzimmerkonzert auf dem Dach

Ok, Magdeburg will Kulturhauptstadt werden. Von mir aus. Aber am Angebot für Livemusikfans muss die Stadt noch arbeiten. Einen Club, in dem regelmäßig Bands spielen, gibt es nicht mehr. Hin und wieder in Molls Laden oder in der Feuerwache, gelegentlich auch mal in den Hasselkneipen - das wars dann aber auch. Insider wissen, dass natürlich auch im Moritzhof, im Turmpark Salbke, im Volksbad Buckau, Werk 4, im HOT, in der Jugendkunstschule, in der Milchkuranstalt und in der Datsche Livemusik läuft. Nicht regelmäßig, aber immerhin.

Livemusik ist selten geworden

Doch generell bleibt es dabei: Bands haben wenig Möglichkeiten in der Stadt. Musik vom Band verkauft sich eben besser, und kostet die Wirte kaum etwas. Aber das ist nicht nur in Magdeburg so. Auch in anderen großen Städten gieren die Leute nach Livemusik in neuen, gemütlichen, urigen, überraschenden Locations. Zu finden ist nur selten etwas. Zu Hause muss es dann eben doch am Schönsten sein… Zu Hause? Da war doch was! Genau, in Großstädten hat vor wenigen Jahren der Trend der Wohnzimmerkonzerte seinen Anfang genommen. Livemusikfans organisieren kleine Konzerte in der eigenen Wohnstube. Gute Musiker lieben dieses Format. Mikrofon, Gitarre und ihre Stimme – mehr brauchen sie nicht, um das Publikum in ihren Bann zu ziehen. Vor ihnen sitzen dann 20, 30 Leute – auf Sofas und Sesseln.

Musiker lieben dieses Format

In Magdeburg ist der Trend längst ebenfalls angekommen. Seit fünf Jahren organisiert einmal im Monat eine kleine Gruppe (Wohnzimmerkonzerte e.V.) abseits des Mainstreams echte handgemachte Musik von talentierten KünstlerInnen. Wichtig ist der Truppe, dass sie dabei  liebevolle Wohnzimmer und besondere Orte in eine Veranstaltungskulisse verwandeln kann. Kenner wissen, dass es stets ziemlich schwer ist, einen Platz in einem ihrer Konzerte zu ergattern. Wer nicht weiß, wo und wie man sich in den sozialen Netzwerken für ein solches Konzert anmeldet, bekommt es eben gar nicht mit. Und ohne Online-Registrierung geht eben auch nichts. Eintritt gibts nicht. Am Ende geht ein Hut rum, und was darin landet, bekommt 1:1 der Künstler. Fairer gehts nicht.

Verträumter Blick auf Kirchtürme

Am Samstag war das Allee-Center erstmals Gastgeber eines Wohnzimmerkonzerts. Die Location - das Dach mit verträumtem Blick auf die Türme der Johanniskirche. Platz für 250 bis 300 Leute. Gut, ein ziemlich großes Wohnzimmer. Aber immerhin ja auch das größte innerstädtische Einkaufscenter Sachsen-Anhalts. Wer über Facebook (https://www.facebook.com/pg/WohnzimmerkonzerteMagdeburg) eine Zusage ergatterte, bekam exklusiv die bis kurz vor Konzertbeginn geheim gehaltene Location mitgeteilt.

Ab 18:30 Uhr kommt dann Bewegung vor das Allee-Center. Die ersten Gäste trudeln ein; ausgestattet mit Decken und Kissen und in Erwartung eines lauschigen Sommerabends mit echt guter handgemachter Musik. Die Band ist schon länger bekannt: Lea Porcelain. Die Berliner haben Post Punk und Electronica Wave im Angebot. Spannende Mischung.

Top  Secret: Rooftop Concert

Bis 20 Uhr haben sich gefühlt 300 Leute eingefunden. Per Fahrstuhl gehts auf die Roof Terrace, die wohl kaum einer von den Besuchern zuvor je zu Gesicht bekommen hat. Dabei feiert das Center in diesem Jahr seinen „20.“. Coole Location meinen die meisten und chillen auf Decken und Matratzen bis zum Konzertbeginn auf dem grünen Dach. Bier und Brause wird aus einem Bürofenster gereicht. Studentenfreundliche Preise. Sehr angenehm. Nette Leute, gemischtes Publikum. Alles Nichtraucher, was auch daran liegen dürfte, dass Rauchen auf dem Dach streng verboten ist. Die Stimmung ist familiär. Man kennt sich, scherzt miteinander, freut sich über das Wiedersehen.

Einige gehen, die meisten haben Spaß

Endlich. 20.20 Uhr legt Lea Porcelain los. Wohl die meisten der ebenfalls eingeladenen Wohnungsmieter des Allee-Center (24 Wohnungen grenzen direkt an die Dachterrasse, die sich für einen Abend in eine Konzertwiese verwandelt hat) gehen nach zwei, drei Songs. Oh je, aber die Mieter sind in der Regel älter; jedenfalls älter als der Musikgegschmack von heute. Danke, dass sie die folgenden zwei Stunden in ihren Wohnungen über sich ergehen lassen. Alle anderen haben ihren Spaß. Mit dem Post Punk aus der Hauptstadt, der Livemusik und natürlich mit der coolen und aufregenden Location auf dem Dach.